Finden ohne zu suchen - Flohmarktfreuden

Teilemarkt

Letztes Wochenende war hier was los: Oldtimertreffen und Teilemarkt!

Oldtimer
Oldtimer und Fachsimpeln

Autos interessieren mich nicht so. Die Fotomotive dieses Treffens dagegen sehr. Für fachsimpelnde Männer scheine graue Hosen und karierte Sommerhemden der letzte Schrei zu sein.

Flohmarktfreude

Neben dem Markt mit vielen Auto- und Fahrradteilen gab es auch Flohmarktstände.

Eierbecher
Flohmarkt Stillleben

Und nein, ich habe mich nicht nur mit meinen gemachten Fotos auf den Heimweg gemacht. In einer Kiste fand ich ein Buch, das ich für meine Masterarbeit verwenden kann. Wirklich!

Und drei Fotoalben habe ich auch mitgenommen. Voller alter Schwarzweiß-Fotografien. Als Material für zukünftige Collagen und als Inspiration für Schreibprojekte. So ein Oldtimertreffen ist genial.

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Von echten und von falschen Touristen

Bahnhof Oybin

 

Wo andere Urlaub machen, da ist meine Heimat. Ich versuche, dafür nicht blind zu werden. Nicht zu übersehen, wie schön es hier in der Oberlausitz ist.

 

Neulich musste mein Mann an einem Nachmittag beruflich für zwei Stunden nach Oybin. Ich habe ihn begleitet. Mit der Kamera in der Hand wanderte ich durch den hübschen Gebirgsort und spielte Tourist. Ich besah mir die Felsformationen und Berghänge. Ich freute mich über hübsche Häuser und die Entenfamilie im Kurpark. Am intensivsten widmete ich mich dem Bahnhof, der sehr gut erhalten ist und doch nicht übersaniert ist. Voller Atmosphäre erzählt er von einer anderen Zeit. Ein paar mal am Tag hält hier ein Zug, den wir liebevoll die Bimmelbahn nennen. Es ist eine Schmalspurbahn, dampfbetrieben.

 

Ich fotografierte, bewunderte, träumte vor mich hin uns saß glücklich vor dem Bahnhof. Da kam ein Mann auf mich zu und fragte: "Warten Sie auf den Zug? Da kommt heute keiner mehr."

Ich beruhigte ihn und dankte ihm für die Fürsorge. Ganz offensichtlich habe ich wirklich wie eine Urlauberin gewirkt. Er dagegen war ein echter Gast, das lässt sein Brandenburger Dialekt vermuten.

Wie gut, dass er mich davor bewahrt hat, auf einen Zug zu warten, der schon längst abgefahren ist.

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Auf der Suche nach Geborgenheit: das Wohnen und ich

Wohnen hat für mich viel mit der Suche nach Geborgenheit zu tun. Häuser sind ein wichtiges Thema in meiner künstlerischen Arbeit. Häuser und ihre Geschichten faszinieren mich.

Deshalb beantworte ich nur zu gern Lottas 12 Fragen zum Wohnen:

 

Beschreibe deinen Wohnort:

 

Wir wohnen in einem Dorf mit etwa 700 anderen Einwohnern nicht weit von Herrnhut, das manche von den Herrnhuter Sternen oder der Herrnhuter Brüdergemeine her kennen. Es ist hier definitiv ländlich, in einer wunderbaren Landschaft. Interessante Städte wie Görlitz, Zittau oder Bautzen sind Teil unserer Heimat, der Oberlausitz.

 

Von Dresden aus fährt man eine reichliche halbe Stunde ostwärts auf der A4 und dann noch einmal eine halbe Stunde auf der Landstraße gen Süden, schon ist man da. (Es gibt Leute, die denken, mit Dresden ist Deutschland am Ende. Da kommt aber noch was!)

Nach Polen und Tschechien ist es von hier aus jeweils weniger als 20 Kilometer weit, Tagesausflüge nach Prag oder Breslau sind also ganz normal. Die Schattenseiten der Oberlausitz möchte ich nicht verschweigen, wenige Jobs und schlechte Bezahlung. So jedenfalls erlebe ich es gerade.

 

Was ist dir bei der Suche nach einem Zuhause besonders wichtig?

 

Wichtig ist es uns, hier in der Region zu bleiben. Trotz der gerade genannten Schattenseiten. Der Platz in der Wohnung muss zur Familie passen – und da die Familie sich ändert und entwickelt, sind wir in den letzten 18 Jahren drei mal umgezogen und denken gerade wieder darüber nach. Inzwischen suchen wir nicht mehr größere Wohnungen sondern wir dürfen uns wieder verkleinern.

Ich selbst brauche Luft zum Atmen, das heißt, etwas Weitblick und Natur um mich herum. Denn auch im ländlichen Raum gibt es enge Straßen und den Küchenfensterblick auf eine Betonmauer statt auf eine Kastanie.

EW 65

 

Welche Wohn-Kompromisse würdest du eingehen und welche nicht?

 

Wir haben in unserer letzten Wohnung mit kinderfeindlichen Leuten in einem Haus gewohnt. Das ist eine Situation, die wir damals durch unseren Wegzug beendet haben und die wir nie wieder wollen.

 

Welchen Raum in deinem Zuhause magst du am liebsten und warum?

 

Ich mag unser Wohnzimmer am liebsten. Zu gern genieße ich ruhige Momente auf dem Sofa, mit anregender Lektüre und einer schönen Tasse Tee. Im Wohnzimmer ist auch „meine“ Ecke, in der mein Fernstudium, mein Schreiben und Werkeln stattfindet. Allerdings frage ich mich, wie ich das nächstes Jahr handhabe, wenn es ans Schreiben der Masterarbeit geht. Mitten im Familientrubel? Am liebsten hätte ich ein eigenes Arbeitszimmer.

 

Wie würdest du deinen Einrichtungsstil beschreiben und wer hat ihn geprägt?

 

Unser Einrichtungsstil ist von zwei Dingen geprägt. Zum einen von Möbeln, die aus der Familie stammen. Das sind keine wertvollen Antiquitäten, aber Dinge mit Geschichte. Der andere prägende Aspekt ist der Beruf meines Mannes: als Tischlermeister hat er vieles selbst gebaut. (Ich sage gern, ich hätte ihn vor allem deshalb geheiratet, weil er mir bei Bedarf neue Bücherregale bauen kann.) Gekaufte Möbel sind bei uns in der Minderheit, die Ärmsten.

 

Lässt du dich gern von Wohntrends verführen oder pflegst du eher deinen ganz eigenen Stil?

 

Siehe oben. Ich denke, ich habe meinen eigenen bunten Stil. Manche Trends finde ich furchtbar. Beispielsweise mochte ich den Kupferhype kürzlich so gar nicht. Aber vieles gefällt mir auch, nur äußert sich das dann eher in einem neuen Kissenbezug oder einer Vase vom Flohmarkt, als in neuen Möbeln. 

Das bin ich in meiner Arbeitsecke. Vorn der weiße Stuhl ist aus dem Friseursalon meines Großvaters.
Das bin ich in meiner Arbeitsecke. Vorn der weiße Stuhl ist aus dem Friseursalon meines Großvaters.

 

Dekorierst du deine Wohnung häufig um oder liebst du eher die Beständigkeit?

 

Soll ich euch was verraten? Zum Saubermachen und Aufräumen motiviere ich mich meist mit einer kleinen Aktion des Umdekorierens. Ein anderes Bild aufhängen, neue Blumen auf den Tisch… So etwas wirkt erst in einem geordneten Umfeld, und schwupp, bin ich am Putzen.

 

Von welchen Möbelstücken oder Wohnaccessoires würdest du dich nie wieder trennen?

 

Das wären vor allem die Erbstücke: mein Schreibtischstuhl, der mal ein Friseurstuhl im Salon meines Großvaters war, das kleine Sofa meiner Großeltern, ihre Uhr, die jetzt bei uns an der Wand hängt… Allerdings weiß ich, wie unberechenbar das Leben sein kann, weil meine Großeltern 1945 selbst alles Materielle verloren haben. Das Leben ist im Ernstfall wichtiger als Möbelstücke

 

Stilechte Glasbausteine, in der Familie umstritten, aber ich mag sie sehr.
Stilechte Glasbausteine, in der Familie umstritten, aber ich mag sie sehr.

 

Welchen Wohnbereich würdest du gern umgestalten, wenn du die Zeit und die Möglichkeiten dazu hättest?

 

Unsere Küche hätte eine Renovierung dringend nötig. Aber da wir übers Umziehen nachdenken…

 

Was fällt dir zuerst ins Auge, wenn du eine fremde Wohnung betrittst?

 

Zu gerne stöbere ich in den Bücherregalen anderer Leute. Bücher ziehen mich magisch an und über Bücher lernt man einander gut kennen.

 

Die Morgensonne erleuchtet "meine" Ecke.
Die Morgensonne erleuchtet "meine" Ecke.

 

Wie sähe dein Wohntraum aus, wenn du die finanziellen Möglichkeiten hättest und regional unabhängig wärst?

 

Persönlich würde ich gern einmal ausprobieren, wie es sich in einer Großstadt lebt, nur für ein paar Monate. Das gleiche gilt fürs Ausland. Das habe ich noch nie getan, es fehlt mir in meiner Lebenserfahrung. Manchmal wünsche ich mir auch, meiner FernUni in Hagen etwas näher zu sein.

Sehr gern würden wir hier in der Oberlausitz etwas Abseits vom Ort und oberhalb am Berg wohnen, mit Weitblick und in Abgeschiedenheit also.

Ach ja, ich könnte es mir auch vorstellen, auf Usedom zu wohnen… Träume sind was Schönes. 

drei Häuser aus Tetrapaks
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Frischer Wind im alten Gemäuer - so gar nicht kleinkariert

Das Gewandhaus in Löbau - seit 25 Jahren im Dornröschenschlaf - bis jetzt
Das Gewandhaus in Löbau - seit 25 Jahren im Dornröschenschlaf - bis jetzt

Gründe zum Jammern über den Leerstand in unserer strukturschwachen Region gibt es genug. Es geht auch anders, es geht auch so:

Seit 25 Jahren steht das Gewandhaus in Löbau leer. Das änderte sich am zweiten Maiwochenende, an dem die Jungs der neuen Initiative Löbau lebt das Haus öffneten, seine Geschichte präsentieren und es mit Menschen, Musik und Leben füllen. Begeisterung macht sich breit, es ist ein Ereignis, das viele beflügelt. Hier fanden die Besucher eine mutige, zuversichtliche und stolze Sicht auf die eigene Stadt. 

Die Sonne wirft karierte Muster durchs Fenster
Die Sonne wirft karierte Muster durchs Fenster

Das Löbauer Gewandhaus wurde 1825 gebaut, für die Tuchmacher und Kaufleute. Bald nutzte man es auch als Theater, später als Kino. Im dritten Reich war es das Haus der NS-Volkswohlfahrt mit Wärmestube und Volksküche. In der DDR nutzte es die HO (Handelsorganisation), die untere Etage wurde zur Kantine. Nach der politischen Wende richtete man für kurze Zeit einen An- und Verkauf ein. Seit 1991 steht das Gewandhaus leer.

 

An diesem Wochenende im Mai können wir durch das Haus gehen, seine Geschichte kennen lernen und über die Details staunen. Mir gefiel diese Aktion sehr, vor allem die positive Stimmung, die sich in Löbau ausbreitete.

Diesen Durchblick mochte ich bei aller Morbidität am meisten.
Diesen Durchblick mochte ich bei aller Morbidität am meisten.
Ein geniales Treppenhaus - man beachte das Muster an der Wand.
Ein geniales Treppenhaus - man beachte das Muster an der Wand.

Das Muster im Treppenhaus stammt sicher aus DDR-Zeiten. Es erinnert mich sehr an die Farbstimmungen meiner Kindheitswelt. Und ich musste gleich an Michaelas Mustermittwoch denken. Sie sammelt im Mai Kariertes.

Ich habe das Muster nachgestaltet und dabei gemerkt, wie komplex es eigentlich ist. Auf den ersten Blick sah es so einfach aus. Das Ganze schicke ich rüber zu Michaelas Mustermittwoch.

Wand-Muster im Detail
Wand-Muster im Detail
Muster von mir nachgestellt
Muster von mir nachgestellt

Löbau lebt ist ein Musterbeispiel für mutmachende Aktionen und geht hoffentlich in diesem Sinne weiter. Kleinkariertes gibt es hier nämlich schon genug.

Hereinspatziert!   Möge bald wieder dauerhaftes Leben hier einziehen.
Hereinspatziert! Möge bald wieder dauerhaftes Leben hier einziehen.
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Görlitz im Mittelpunkt

Görlitz

Am Wochenende fuhr ich nach Görlitz, zu einer historisch-wissenschaftlichen Tagung. Das war sehr inspirierend. Nur kommt man während solcher Veranstaltungen meistens nicht dazu, schöne Bilder für den Blog zu machen. Bei mir blieb es bei diesem hier.

 

Zum Glück war zur selben Zeit internationales Instagrammer-Treffen in Görlitz. Viele viele Bilder findet ihr hier: Klick.

 

 

 

 

 

 

 

 

P.S. Mein  Instagramprofil ist dieses hier


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Keine Entschuldigung

Bautzen

Für diese Woche habe ich den zweiten Teil meiner Serie zur Oberlausitz geplant. Aber das fällt aus. Nach dem, was in Bautzen und in Löbau passiert ist, kann ich hier nicht einfach nett über meine Heimat plaudern.

Asylbewerber anzupöbeln, zu beschimpfen und ihre Unterkünfte in Brand stecken - dafür gibt es keine Entschuldigung.

 

Nachtrag vom 25.02.16:

Vielen Dank für die Kommentare. Ich werde meine Serie zur Oberlausitz fortsetzen. Aber erst im März.

Ich kann nicht weiterschreiben, als wäre nichts geschehen. Genau diese gleichgültige Haltung gibt dem Fremdenhass Raum um zu wachsen.

 


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Ankommen - Herrnhut und die Oberlausitz

Der Bahnhof in Herrnhut befindet sich zur Zeit im Dornröschenschlaf
Der Bahnhof in Herrnhut befindet sich zur Zeit im Dornröschenschlaf

Mano hatte im letzten Jahr die Oberlausitz besucht und darüber berichtet. Darüber habe ich mich sehr gefreut. Es hat mich zu dieser neuen Serie inspiriert. Denn ich merkte, dass es viel zu erzählen gibt und ich als Ureinwohnerin und als Historikerin dafür genau richtig bin. Jeden Monat dieses Jahres  werde ich einen Artikel zur Oberlausitz und zu Herrnhut schreiben. Beginnen wir heute damit, wie man in der Oberlausitz ankommt.

Oberlausitz und Herrnhut
Oberlausitz und Herrnhut

Wenn ich von der FernUni in Hagen nach Hause fahre, brauche ich mit der Bahn etwa 8 Stunden, bis ich angekommen bin. So weit weg, sozusagen am Ende der Welt ist das also? Das fragt man mich manchmal. Für mich ist es die Mitte meiner Welt, in der Prag und Breslau nah genug für einen Tagesausflug sind. Hier in der Oberlausitz ist meine Heimat.

 

Aber meine Heimat könnte auch das Vogtland oder der Odenwald sein. Wenn meine Familie dort angekommen wäre. Meine Oma flüchtete zusammen mit Mutter und Schwester und ihrem Baby 1945 aus einem schlesischen Dorf am Bober. In Görlitz mussten sie bleiben, weil das Baby krank wurde und später starb. Weil die Stadt voller Menschen war und es nichts zu Essen gab, suchten und fanden sie Unterschlupf in einem Dorf in der Nähe. Dort fand mein Opa sie ein Jahr später, als er aus der Kriegsgefangenschaft heim kam.

 

Er wurde schnell zu Arbeiten eingesetzt. Die Kleinbahnlinie zwischen Herrnhut und Bernstadt sollte abgebaut und als Reparationsleistung an die Sowjetunion gehen. Während dieser Arbeiten kam mein Opa zum ersten Mal nach Herrnhut. Im Gespräch ergab sich, dass er als Friseur hier besser zu gebrauchen wäre, als beim Schienen abbauen. So bekam er die Zuzugsgenehmigung für sich und seine Frau und ein Zimmer zum Wohnen zugeteilt. Seitdem wohnten beide in Herrnhut und blieben ihr ganzes Leben lang hier.

 

Mein Vater wurde als erstes Kind hier geboren und viele weitere Kinder folgten. Die Eltern meiner Mutter sind beide auf ähnlichen Wegen aus Schlesien in die Oberlausitz gelangt, in denen mehr der Zufall als ein bewusst gewähltes Ziel das Ende der Flucht bestimmten. So ist die Oberlausitz die Heimat meiner Familie geworden.

 

Herrnhut als neue Heimat war ein besonderer Ort, das merkten meine Großeltern schnell. Der Ursprungsort der Herrnhuter Brüdergemeine hat eine ganz eigene Prägung. Und er ist 500 Jahre jünger als all die Dörfer rundum. Anfang des 18. Jahrhunderts kamen Glaubensflüchtlinge aus Mähren hier an und durften sich sich ansiedeln. Doch von den Anfängen in Herrnhut berichte ich im Februar ausführlich.

 

Die Parallelen der Ortsgeschichte von Herrnhut zur aktuellen Flüchtlingssituation in Deutschland sind uns hier präsent. Das führt zu besonderer Sensibilität und Engagement. Und viele haben eine ähnliche Familiengeschichte wie die meine. Vielleicht trägt das dazu bei, das es hier im Landkreis kaum Übergriffe auf die Asylanten gibt. Ein Grund mehr, meine Heimat zu lieben.

Meine Großeltern als junges Ehepaar. Zeichnung meines Großvaters Rudolf Graf
Meine Großeltern als junges Ehepaar. Zeichnung meines Großvaters Rudolf Graf
Herrnhut
Aus der Zeit gefallen
Aus der Zeit gefallen
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Oberlausitz - Gedichte aus dem Märchenland

Dornröschenschlaf

 

Interpretieren wir

die blühenden Landschaften

hinter dem Bahnhof

doch als Dornenhecke.

Dann haben wir schon 25 Jahre

Dornröschenschlaf hinter uns.

Bald kommt der Prinz und

küsst uns wach.

Ganz bald.


Fast alles da

 

Den Kuchen holen wir beim

Schwertner-Bäcker.

Wein ist diese Woche beim Aldi

im Angebot.

Eine reichliche Auswahl an Großmüttern

liefert uns die Seniorenresidenz.

Und Wölfe sind bei uns

schon lange keine Seltenheit mehr.

Doch wo finden wir ein junges Ding?

Wo ist Rotkäppchen?

Die studiert jetzt im Westen.


 


Heimatland

 

Mag es weit weg sein

für die Entfernten

Hinter den sieben Bergen

 

Mag hier nicht los sein

für die Gelernten

bei den sieben Zwergen.

 

Ich mag es.

von ganzem Herzen

oft auch mit Schmerzen.

 

Nicht auszudenken, wer ich wäre

ohne dich und die sieben Berge,

meine Heimat, du bist die schönste

im Land.




Diese Gedichte habe ich für die Lesebühne in Kamenz, fürs Poetenbrettl geschrieben. Letzten Freitag las ich diese und weitere Texte aus meiner Werkstatt. Bei solchen Veranstaltungen kann es einem leicht passieren, dass man den Mut zum eigenen Schreiben verliert. Die anderen Autoren sind so gut! Aber diesmal fuhr ich voller Ermutigung und sehr angeregt heim.


Meine Gedichte über die Oberlausitz sind zwar voller lokaler Anspielungen, aber ich denke, sie sind trotzdem allgemein verständlich. Ansonsten fragt mich!

Mano zeigt wunderbar passend gerade heute einige Bilder aus dieser Märchenwelt - aus der Oberlausitz und aus Sachsen. Ihr Blick als Besucherin und meiner als Ureinwohnerin ergänzen sich gut.


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dc Aqua - umsonst geweint - tears for nothing

Hochwasser / Flood
Hochwasser / Flood

Wasser


Wohin mit den Tränen

in einer glänzenden Welt?

Wir funktionieren und

können alles haben,

wir dürfen nicht

traurig sein.


Das Hochwasser kommt,

zuviel Wasser,

Wasser, leben spendendes Wasser

zerstört unsere Heimat.


Dürfen wir jetzt weinen?

Retten Tränen uns davor, in unseren Gefühlen zu ertrinken?


Helfen Tränen beim Überleben

oder sind sie umsonst?



Water


Where to go the tears
in a shiny world?
We are working People, 

we can have everything,
we are not allowed

to be sad.

The flood comes,
too much water,
Water, life-giving water
destroyed our home.


Can we cry now?
Save our tears us form

drowning in our feelings?


Are tears life-giving or are

they for nothing?




This Weekends Drawing Challenge is all about Aqua. Thank you Veronica for being our host.


I am in low Spirits now. And this is o.k. - there is a lot of pain and fear here around me and every where in the world. Wy should this not have a place here?


My Collage was inspired by two floods in 2010 and 2013 here in my Homeland Upper Lusatia. The House is a traditional Upper-Lusatian house.


Thank you for visiting and go ahead to Veronica to see what the Others have done with the Aqua-theme.




Die Drawing-Challenge an diesem Wochenende dreht sich ums Thema Aqua. Vielen Dank an Veronica, die unsere Gastgeberin ist.


Ich bin momentan in gedrückter Stimmung. Das ist in Ordnung. Schmerzen und Ängste gibt es genug rund um mich herum und überall auf der Welt. Warum sollte das hier keinen Platz haben?

Meine Collage wurde von den zwei großen Hochwassern inspiriert, die 2010 und 2013 hier in der Oberlausitz zu erleben waren. Das Haus ist ein hiesiges traditionelles Umgebindehaus.


Vielen Dank fürs Vorbeischauen. Schaut euch an, was die Anderen aus diesem Thema gemacht haben - bei Veronica versammeln sich alle.  

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Blogpause oder Frühlingswiese oder so

Nicht geplant aber doch eingetroffen: eine Blogpause.

In einer Woche und einem Tag ist meine Prüfung an der FernUni. Inzwischen ist der Druck groß genug, dass ich lieber lerne und das Bloggen hintenan stelle. Hier wird es also noch ein paar Tage ruhig bleiben.

 

Genießt inzwischen den Frühling. Hier im nahen Zittau blüht es auf diese flächendeckende bezaubernde Art und Weise.

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Ein altes Haus zurückholen

historische Bauzeichnung

Zurückholen

 

Darf man in dieses

historische Haus

ein Schaufenster 

einbauen?

 

Bauakten von 1926.

Man darf.

 

Ich blättere in den

Plänen.

Die Zeichnung der 

Ansicht.

 

Das Haus gibt es

seit 2009 nicht mehr.

 

Solange ich in den

alten Akten

blättere,

steht es da.


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Gedicht 29 - Leerstand

Leerstand

 

 

 

Leerstand

Da ist
nichts mehr:
Leerstand.
Kulissenwelt.

Man könnte
einen Film
drehen.

Leben,
echtes Leben,
ist hier
schon lang
nicht
mehr
zu finden.



 

 

das nichts darf heute bedichtet werden.

 

Meine Interpretation ist nahe liegend. Weil hier in der Oberlausitz oft Filme gedreht werden ...

 

 

 

 


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Gedicht 22 - Nahe kommen

Nahe kommen

 

Dein Geburtshaus

besichtigen.

 

Deine Bücher 

lesen.

 

Deine Briefe

auch,

immer wieder.

 

Du, auf diesem

Kinderbild:

deine Kulleraugen,

mir so vertraut.

 

Näher kann

ich dir nicht 

kommen.

 

Ich versuch es 

trotzdem.

Immer wieder

 

Deine Bücher

lesen...


Vertraut uns nah - der Gegenimpuls zum gestrigen Fremd sein.

 

Mein Gedicht ist der Schriftstellerin Lisa Tetzner gewidmet, die mich schon lange begleitet. Über sie werde ich nächsten Dienstag einen Vortrag halten - natürlich in Lisa Tetzners Geburtsstadt Zittau.


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Hüpf in die Oberlausitz: hören, sehen und genießen

Wie versprochen kommt heute die Auflösung von gestern.

 

(Nebenbei: wäre das nicht schön, wenn das immer so wäre? Heute die Auflösung der Rätsel des gestrigen Tages zu bekommen?)

 

Wer lange suppt, dar lange huppt.

 

Wer langsam isst, der lebt länger. (Übersetzung)

 

Wer lange an seiner Suppe isst, der hüpft auch lange durch die Gegend. (wörtlich)

 

Die gereimte mundartliche Version gefällt es mir besser. Was ja in Mundart häufig der Fall ist, dort reimen sich Worte, die es im Hochdeutschen gar nicht gibt :) Kürzer, knackiger und lebensnäher klingt es auch.

 

Vor ein paar Tagen entdeckte ich dieses witzige Video, ein heute Journal in Oberlausitzer Mundart. Für alle, die auch mal hören wollen, wie es hier klingt.

 

Eine weitere Neuentdeckung sind die Fotos von Dieter Weise. Schaut euch das an, so schön geht hier die Sonne auf. (Ich betone das so sehr, weil mein Urlaub noch 6 Wochen entfernt ist und ich mich damit tröste, dass ich in einer Gegend arbeite, wo andere Urlaub machen.)

 

 


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Wer kann das deuten?

Wer lange suppt, dar lange huppt.

 

Das steht auf dem Kalenderblatt für Juli.

(Gaaanz aktuell also.)

Das ist Oberlausitzer Mundart.

Ich finde diese Version köstlich.

Das Sprichwort gibt es auch in Hochdeutsch.

Wer hat eine Übersetzung anzubieten?

 

(Die Auflösung gibt es morgen.)


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Schloss Hainewalde - fragile Schönheit

Mit welcher Begründung werden alte Gebäude erhalten oder abgerissen?

Mir als Historikerin ist jedes Haus wie ein Buch, in dem Geschichten zu lesen sind… Jeder Abriss tut weh. Aber es ist natürlich, dass nicht alles erhalten werden kann. Das Leben geht weiter. Wir können nicht in der Vergangenheit verharren.

 

Hier in der Nähe, in Hainewalde, gibt es ein Schloss, das außergewöhnlich daherkommt und seine Geschichten nicht so ohne weiteres preisgibt. Auf den ersten Blick aber zeigt sich neben der Schönheit der Zerfall, der eifrig da am Werk ist. Jetzt wurden Mittel für weitere Notsicherungen genehmigt. Am Wochenende wird ein Schlossfest gefeiert. Das lässt hoffen. Und doch – irgendetwas an diesem Schloss macht mein Herz schwer.

Schlosstreppe Hainewalde

Schloss Hainewalde
Turmhaube Hainewalde

Schloss Hainewalde
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Tourist spielen - in Görlitz

Ich war neulich in Görlitz, was meine Kreisstadt und somit keine ganz fremde Stadt für mich ist. Trotzdem habe ich Tourist gespielt und mir den Fotoapparat umgehängt. Das ist dabei heraus gekommen.

Die meiste Zeit brachte ich allerdings auf einer Tagung zu. Es war also eher ein dienstlicher Ausgang. Beides, die Tagung und Görlitz, habe ich genossen.

Frühlingstagung 2013 OLGDW
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Leerstand füllt sich mit neuem Glanz - Filmdreh in Görlitz

Jude Law huscht durchs Bild. Gut, es könnte auch ein anderer Mann sein – so genau ist das nicht zu erkennen. Aber wir glauben es der Sächsischen Zeitung vom 18.1. Die berichtet von den Dreharbeiten in Görlitz zu einem Hollywood-Film: Grand Hotel Budapest. Plötzlich haben wir ein Staraufgebot in der Provinz und ein leerstehendes Jugendstilkaufhaus, das seine Rolle als Hotel großartig spielt.

 

Da wächst das Selbstbewusstsein in Görlitz. (Als ob das noch möglich wäre.) Ich bekomme das nur durch die Zeitung mit, schließlich ist Görlitz 30 Kilometer entfernt. Mich interessiert daran vor allem der Perspektivwechsel.

 

Die Städte schrumpfen nicht so schnell wie die Bevölkerungszahlen. Es gibt Leerstand. Meist sind solche verlassenen Häuser deprimierend. Es kann aber auch ein Vorteil sein. Die Filmbranche liebt es offensichtlich. Es ist also nicht alles nur nutzlos, traurig und rettungslos verloren. Neuer Glanz kann einziehen. Jedenfalls für die Dauer des Filmdrehs.

 

Ich frage mich, ob ich das auch auf mein Leben beziehen kann. Wie ist das mit meinen eigenen Leerräumen? Finde ich neue Verwendung oder finde ich mich damit ab, dass alles vorbei ist? Wer huscht bei mir durchs Bild? Ein alter Traum, eine neue Idee?

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Wenn nur noch Schokolade hilft

Ritter Sport Fake Schokolade Lausitz
via Pinterest

 

 

 

 

So viel zu tun - ich renne  zur Zeit von einem Projekt zum anderen.

Da hilft nur noch eines:

 

Schokolade essen.

 

Vor allem, wenn es so eine schöne gefälschte Sorte ist wie die

hier:

Lausitzer Schokolade


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Schön oder arm? Oder beides?

Landkreis Görlitz ärmste Deutsche

 

 

Vor zwei Wochen, am 14.12., hat es die Sächsische Zeitung offiziell gemacht: Im Kreis Görlitz leben die ärmsten Deutschen. Das kommt nicht besonders überraschend für alle, die hier leben.

Umgebinde Oberlausitz

 

 

In der aktuellen living at home (Nr.1 2013) ist diese Anzeige zu sehen - für Sachsens Landschönheiten - das Foto zeigt ein Umgebindehaus   - mit hoher Wahrscheinlichkeit steht es  im Landkreis Görlitz.



Natürlich sind es zwei verschiedene Medien, die Tageszeitung möchte informieren. Die Anzeige in der Zeitschrift Touristen neugierig machen. Trotzdem bleibt eine Diskrepanz über diese Unterschiede hinweg.

Das Lebensgefühl in dieser Region liegt für mich in der Mitte von beidem. Ja, man verdient hier oft nicht viel, wenn man Arbeit hat. Doch das ist eben nur die eine Seite. Schön ist es hier, landschaftlich und menschlich. Wunderschön.

 

Zyniker können folgende Überschrift aus beidem basteln: Das Land, wo man gerne arm ist.

 

 

P.S. In der Zeit zwischen den Jahren versuche ich mich zwischen den Bildern zurecht zu finden.

 

 

 

 


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Auf Tuchfühlung in Zittau - ein erstaunliches Theaterprojekt

Zwei Historiker, einer von hier, einer von Drüben, streiten sich.

„Sie scheinen sich ja trotzdem in die hiesige Materie eingearbeitet zu haben.“

„Ich muss doch wissen, wie die Menschen hier ticken.“

„Wie ticken sie denn, diese Menschen?“

„Langsamer. Misstrauisch. Oft mit dem Blick zurück.“

Im Publikum ist leichtes Lachen zu hören. Das stimmt natürlich überhaupt nicht. Als Blick von Außen aber können wir es gelten lassen und uns darüber amüsieren.

 

Die Debatte der Historiker zieht sich als roter Faden durch das Stück – ein Theaterstück, das auf Tuchfühlung geht mit den Befindlichkeiten in der eigenen Stadt, in Zittau. Da gibt es einen Kulturschatz – höchster Kategorie – vergleichbar mit der Mona Lisa oder dem Teppich von Bayeux. Doch hier sind nur wenige stolz darauf. Man fühlt sich – nicht nur geografisch - am Ende der Welt. Man zieht sein Selbstbewusstsein nicht aus diesem Schatz. Warum auch?

 

Es gilt also, die Perspektiven neu zu ordnen. Das beginnt schon am Schauplatz: die Weberkirche. Das Publikum sitzt im Altarraum. Die Kirchenbänke sind mit einem Podest überbaut, das ist jetzt die Bühne. Sonst ist es meist umgekehrt, man sitzt in der Kirchenbank und schaut zum Altar. Eine Kirche also, in der wir auf Tuchfühlung gehen mit unserem Schatz, dem Zittauer Fastentuch von 1472.

 

Die Historiker streiten über den zukünftigen Umgang mit diesem Teil. Ein riesiges Leinentuch, mit 90 biblischen Szenen bemalt, das früher in der Fastenzeit den Hochaltar verdeckte. Fremd ist uns das geworden: Fastenzeit, Bibel, Gott. Mag es einzigartig sein – es ist schwierig, ihm näher zu kommen. Noch dazu, wo es erst in den 1990er Jahren wieder auferstanden ist. Es kommt aus dunkler Vergangenheit und ist doch Zeuge der neuesten Zeit, als alles möglich wurde.

 

Im Theaterstück gibt es Szenen, die biblische Geschehnisse mit dem heutigen Leben verbinden. Tod, Abschied, Trauer, Angst, Freude und Hoffnung. Wir merken, dass dieses Tuch doch etwas mit uns zu tun haben kann. Die Zerbrechlichkeit des Lebens wird besungen.

 

Zittauer Geschichte mischt sich ein: die Entstehung des Tuches mit all den Fragen, die nicht geklärt werden können. Eine Kanonenkugel rollt in rotem Licht auf der Bühne hin und her. Sie zeugt vom Bombardement 1755, dem Stadtbrand und dem Wunder: das Fastentuch blieb erhalten.

 

Das Fastentuch und die Russen am Ende des zweiten Weltkrieges: der ins Gebirge ausgelagerte Museumsschatz wird als Abdeckung für die russische Wald-Sauna genutzt. Viele Bilder auf dem Tuch sind dadurch kaum noch zu erkennen. „Sodom und Gomorra sind verschwunden – hat das was zu bedeuten?“ fragt der eine Historiker.

 

Die Museumsdirektorin aus der DDR-Zeit tritt auf. Sie hat sich so für das Tuch eingesetzt – aber davon redet heute ja keiner mehr. Natürlich kann man das auch ganz anders sehen. Als Historiker ist man ja immer auf der Suche nach der ewigen Wahrheit. Wo aber findet man die? Das Theaterstück geht weit über das Fastentuch hinaus, es schaut in die Tiefe, tut weh und erfreut, nimmt den Atem und gibt neuen Gedanken einen Raum.

 

Am Ende erscheint ein überirdisches Licht, dass an Ostern und Auferstehung erinnert und ein Ende des Fastens verkündet. Die Schauspieler verteilen nun Brot an uns im Publikum. Erst kürzlich habe ich in einem Vortrag gehört, dass wir daran denken sollen, was wir unseren Mitmenschen zu beißen geben. Ist es nahrhafte Kost? Sind es alte harte Brötchen? Oder lassen wir es ganz bleiben? Ich halte mein Stück Brot fest und ahne, dass sich im Teilen dieses Brotes ein Stück der ewigen Wahrheit mitteilt.

 

Der Historiker im Stück: „Der Mensch braucht Bilder, gute Bilder, nicht das, was uns heute vorgegaukelt wird.“

 

 

 

 

Tuchfühlung - Das Fastentuchprojekt

eine spielerische Spurensuche zu Zittaus Kulturschatz Nr.1

lief vom 25.11.-1.12.2012

mit vielen, vielen Beteiligten, Stückentwicklung: Stefan Nolte, Caren Pfeil

Zitate aus dem Programmheft und aus Mitschriften bei der Aufführung am 30.11.12

 

 

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Gedicht 23 - Zeit

Zeit

 

Jahrhunderte ziehen

durch die Gassen.

Häuser sehen zu.

Menschen kommen.

Menschen gehen.

Mauern speichern

dieses Leben.

Berühre die Steine.

Erspüre die Zeit.


 

 

Heute wollte Sophie Eindrücke einer Stadt verdichtet haben.

Da ich monatelang wissenschaftlich zu Zittau gearbeitet habe, bekommt diese Stadt nun auch ein Gedicht von mir. Obwohl diese Empfindungen bei allen historisch gewachsenen Orten entstehen können. Dies Zittau, ist für dich.

 

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Gedicht 6 - Heimat

 

Ich suche Halt.

Tiefer treibe ich

meine Wurzeln

in diese Erde.

 

Ich suche meinen Weg.

 

Meine Wurzeln lassen

mich nicht fort.

Sie umspannen meinen

Himmel.


 

 

 

Zuerst habe ich mich über den heutigen Impuls sehr gefreut. Heimat ist eines meiner Themen, das ist auf diesem Blog immer wieder mal zu merken.

Mit dem Dichten wurde es trotzdem schwierig. Es gingen mir sehr viele Gedichte und Lieder von anderen Leuten zum Thema Heimat im Kopf rum: wie soll ich da meinen eigenen Ton finden?

 

 

Wem das hier alles zuviel Lyrik ist, hier noch ein paar Fakten aus der richtigen Welt, immer noch passend zum Thema:

 

Wenn ich in einem Jobportal meine Postleitzahl eingebe und nur ganz allgemein nach Jobs suche, dann werden 642 angezeigt. Nicht schlecht für die Oberlausitz, das war vor einigen Jahren ganz anders.

 

Wenn ich gezielter nach Jobs im Kulturbereich suche,

werden 16 angezeigt. Leider fast alle im gastronomischen Bereich.

 

Wenn ich nach einer Arbeit als Kulturwissenschaftlerin in der Oberlausitz suche, dann sagt mir das Portal: verallgemeinern Sie ihre Suchbegriffe.

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Wo mag meine Heimat sein?

Landschaft bei Herwigsdorf
Foto: Rita Henke

Wo mag meine Heimat sein.

Meine Heimat ist klein.

Geht von Ort zu Ort.

Nimmt mein Herz mir fort.

Gibt mir Weh, gibt mir Ruh.

Meine Heimat bist du.

 

Hermann Hesse


 

 

 

 

Nic hat diese Woche bei ihrem Fotoprojekt das Thema Heimat, da muss ich mitmachen. Zum ersten Mal! Dank der schönen Fotografien meiner Tochter Rita kann ich das auch.

Wer hier schon eine Weile mitliest, weiß, wie wichtig mir meine Heimat ist und wie oft die Oberlausitz hier vorkommt...

 

Meine Heimat bist du -

das du ist aber nicht nur die Oberlausitz.

Das du ist auch mein Mann.

Das du, also meine Heimat, sind meine Kinder.

Das du ist auch der Platz, an dem ich schreibe. Heimat kann deshalb für mich auch anderswo sein; das ist eine neue Erkenntnis, die mich überrascht und beglückt.

 

Manchmal ist meine Heimat klein und eng. Dann hilft ein Perspektivwechsel. Das Bild umgedreht und schwupp haben wir die Weite des Weltalls.

Foto: Rita Henke
Foto: Rita Henke

Foto: Rita Henke
Foto: Rita Henke
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Nachlese zum Hochwasser vom 7./8. Juli

 

 

 

Die Sandsäcke liegen noch da.

Sicherheitshalber.

Wenn mein kleiner Neffe spielt,

dann baut er jetzt immer Dämme:

aus Kissen

aus Plüschtieren

aus Bausteinen.

Die Sandsäcke liegen noch da.

Vor dem Tor und vor dem Herz.

Sandsäcke in Rosenbach August 2012

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Hochwasser in der Oberlausitz

Immer wieder schauten wir gestern Abend zum Himmel. Nein, diese Nacht wird es nicht gewittern. Bitte nicht noch mehr Starkregen, bitte kein Hochwasser. Das Gewitter am Nachmittag war schlimm genug. Von den Tagen wollen wir gar nicht reden.

 

Katastrophenalarm im Landkreis Görlitz. Hier, wo wir wohnen, merkt man davon gar nicht viel. Es ist ein bisschen nasser als sonst. Was solls?

Ein Dorf weiter scheint die Welt unterzutauchen. Wassermassen schießen vom Berg herunter - so wie es die ältesten Einwohner noch nicht erlebt haben. Seit Tagen ist es schwül und warm. Es regnet mehrmals täglich oder Nachts.

 

Was es bedeutet, Nachts auf der Lauer zu liegen und immer wieder nach zu schauen, ob der Wasserspiegel drüben im Dorfbach steigt, können wir nur erahnen. Ich halte den Helfern den Rücken frei, indem ich Kinder übernehme. Mehr kann ich nicht tun.

 

Aber mir ist nicht danach, von meinem Schreibtisch zu erzählen. Oder von der Abschlussarbeit, die fertig daliegt und zur Post muss. Das ist zur Zeit alles nicht besonders wichtig.

 

Die Feuerwehrleute sagen, dieses Hochwasser ist stärker als das von 2010. Damals meinte unser Ministerpräsident, diese Überschwemmungen wären nicht so schlimm wie 2002 in Dresden. Sie hätten ja nur wenig oder kaum besiedelte Gebiete getroffen. Damit hat er sich hier in der Oberlausitz so viele Freunde gemacht, wie ein unbesiedeltes Land nur hergibt.

 

Es gab finanzielle Hilfen. Doch die Bürokratie uferte ebenso aus wie vorher die Flüsse und Bäche. Für die Kommunen war die Beantragung kompliziert und aufwändig. Wie sollten es da erst die Privatleute schaffen?

 

Nun haben wir also wieder Schlamm und Wasser in den Häusern, unterspülte Straßen und Brücken, kaputte Bachmauern. 

 

Letzte Nacht hat es nicht geregnet. Viele konnten endlich mehrere Stunden hintereinander schlafen. Heute scheint die Sonne. Aber wir schauen besorgt zum Himmel.

 

   

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Abgekürzt entsteht ein neues Wort

Wenn ich über die Oberlausitz schreibe, fällt das in die Kategorie ÜBERLAUSITZ.

 

Originell. Leider ist es nicht meine Erfindung. Jemand hat es an einen Brückenpfeiler geschrieben.

Überlausitz. Ob es als Keyword taugt, ist fraglich. Tippt man es ein, fragt Goog*le "Meinten Sie Oberlausitz?"

Das meine ich fast immer.

 

 


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Vom Rednerpult zurück an den Schreibtisch

Den Schreibtisch gegen ein Rednerpult zu tauschen, ist prickelnd. Nun bin ich zurück und mache neuen Mutes weiter. 

 

Ich war bei, wie treuen Lesern bekannt ist, bei dieser Tagung Es gab eine neben vielen Vorträgen eine Führung durch das Haus. In dieser Bibliothek stehen zu dürfen, fühlte sich erhaben an. Mein kleine Schreibtischwelt weiß sich eingebunden in die Jahrhunderte der Wissenschaftlichen Arbeit.

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Angstschweiß? Interview zur Lage in den Schreibtischwelten.

Wie läuft es denn so mit der Abschlussarbeit?

Hmm. Letzte Woche waren die ersten drei von den insgesamt sechs Monaten herum.

 

Halbzeit also. Was war das für ein Gefühl?

Ein Bergfest ohne Gipfelglück.

 

Warum?

Momentan geht es mir zu langsam voran. Bis Ende April möchte ich den Rohtext fertig haben. Da liegt noch viel Arbeit vor mir.

 

Aber es ist doch schon einiges geschafft.

Sicher. Manchmal staune ich selbst, wieviel schon geschrieben ist.

 

Trotzdem hast du Bedenken?

Vielleicht belastet mich nur das Gefühl, in diese Arbeit eingesperrt zu sein. Das Wissen: ich MUSS da jetzt durch. Egal, wie es mir geht und wozu ich Lust habe. Bestimmt rührt mein Fernweh von dort her...

 

Kannst du dagegen was tun? Einen kleinen Ausflug vielleicht?

Ja, am Wochenende werde ich in Görlitz sein. Damit bleibe ich zwar brav im Landkreis! Aber auf diese Tagung freue ich mich sehr.

 

Wie ich sehe, wirst du dich dort thematisch einbringen.

Ja. Mit einem Vortrag, der einen Teil meiner Abschlussarbeit vorstellt. Darauf bin ich gespannt:  von Etwas berichten, womit ich mich bisher meist allein beschäftigt habe. Noch dazu vor Leuten, für die Geschichte etwas Faszinierendes ist.

 

So wie für Dich?

Ja, ich liebe diese Reisen in die Vergangenheit. Wichtig ist mir aber auch, hier in der Gegenwart daran anzuknüpfen...

 

Nochmal zur Ausgangsfrage: Wie läuft es mit der Abschussarbeit?

Wenn sich die (angst)schweißtreibenden Aspekte nicht zu wichtig machen, läuft es gut. Denn eine solche Arbeit zu schreiben ist ja genau das, was ich gern tue.

 

 

 

Dieses Interview führte ich mit mir selbst.

Wirkung: erhellend und motivierend.

Sprich: das ist eine empfehlenswerte Methode,

wenn alles wie festgefahren scheint.

 

 

 

 

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Wie leicht schrieb sich Geschichte Anno 1716?

"Ob übrigens das Buch so leicht zu schreiben gewesen, als sichs nunmehr möchte lesen lassen, stelle eines jeden vernünfftiger Erwegung anheim, der vielleicht jemahln in dergleichen Arbeit einen Versuch gethan, und erfahren hat, wie viel Schwürigkeit oftmahls eine einzige Jahr-Zahl oder Nahmen zu verursachen fähig ist."

 

Johann Benedict Carpzov im Vorwort seines Buches über die Geschichte Zittaus, 1716 ("Analecta Fastorum Zittaviensium oder Historischer Schauplatz der... Stadt Zittau")


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Neues vom Land

Wer hier des öfteren vorbeischaut, weiß, dass es neben FernStudium, Schreibtischen und Kreativität noch mehr Themen gibt. Meine Heimat Oberlausitz zum Beispiel mischt sich immer mal wieder ein. (Sie kann ganz schön hartnäckig sein - das aber ist irgendwie liebenswert)

 

Manchmal denke ich, die Oberlausitz müsste von mir in einen eigenen Blog gepackt werden. Bisher fehlt dazu die Zeit. Die richtige Idee ist auch noch nicht da.

Bleibt sie also noch eine Weile Teil der Schreibtischwelten.

 

Heute habe ich endlich die Oberlausitzer Presseschau aktualisiert. Wer also wissen möchte, welche neuen Grenzen es hier gibt und was die Wölfe so machen, bittesehr: klick  

 

 

 

Oberlausitz?

 

Oberlausitz!


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Wölfe brauchen kein Theater – wir aber schon

Heute wankt der Boden meiner Schreibtischwelt:

In der Sächsischen Zeitung vom 12.12. findet sich schon auf der Titelseite der Aufhänger: Düsterer Blick in die Zukunft der Oberlausitz. Weiter auf Seite 13 (ausgerechnet) – Der Wirtschaftsforscher Joachim Ragnitz prophezeit Düsteres für die Oberlausitz. „Die Landkarte wird sich leeren.“ Klasse. Wahrscheinlich hat er recht mit der Bestandsaufnahme. Aber muss man das in solch düsteren Farben ausmalen?

 

Man könnte statt eines Wirtschaftsforschers auch mal Glücksforscher befragen, die Tourismusforscher oder die Zeitschrift LandLust. Vermutlich kämen ganz andere Ergebnisse heraus. Hier nun also ein trauriges Bild. Wir wollen es nicht glauben – gerade weil es uns betrifft. Ich bin subjektiv, das gebe ich gerne zu.

 

280860 Einwohner hat der Landkreis Görlitz 2009 laut diesem Zeitungsartikel gehabt. 2030 sollen es 224669 sein. Statistische Tatsachen. Frage an den Wirtschaftsforscher: was fällt ihm spontan zur Oberlausitz ein? „Eine dünn besiedelte Gegend mit wenig Industrie und vielen demografischen Problemen. Und der Wolf, der wieder auf dem Vormarsch ist.“ Es gibt aber auch Stärken, Tourismus, Landwirtschaft, Bautzen geht es ganz gut.

 

„Im Kreis Görlitz sieht es zum Teil noch düsterer aus. Da muss man sich ernsthaft fragen, was man da noch schaffen kann.“ Ragnitz regt Müllverbrennungsanlagen an, da hier weniger Menschen von Lärm und Emissionen betroffen wären. Die SZ hakt nach: Die Lausitz ist aber nicht die Abfallhalde der Nation. Nein, das nicht, aber in den Ecken, wo kaum Leute wohnen… Wir sollten nicht zu sehr der Infrastruktur vertrauen, oder der Lage an der Grenze – eine eigenständige Dynamik kommt nicht von dort.

 

Wie wird also die Oberlausitz in zwanzig Jahren aussehen? „Weniger Menschen, die näher an die existierenden Zentren heranrücken. Diese Zentren werden sich zu prosperierenden Kleinstädten entwickeln. Dort, wo dann niemand mehr wohnt, wird Wald wachsen.“ Für die SZ: Sebastian Kositz.

 

Negative Prophezeiungen hört keiner gern. Düster, mit wenig Hoffnung, aber viel Wald – wie soll man da fröhlich die Oberlausitzer Zukunft gestalten?

 

Zu diesem nicht sehr ermutigenden Artikel kommt ein zweites: Gerade jetzt schlagen die Wellen hoch: die Einsparpläne für das Theater Zittau sind alarmierend. Nach der Fusion mit Görlitz laufen die Diskussionen über die Zukunft der Gerhart-Hauptmann-Theater Görlitz-Zittau GmbH. Die Ergebnisse sind richtig klasse: Es sollen in Zittau 24 Stellen gestrichen werden, und damit steht u. a. der Wegfall von Weihnachtsmärchen, Kinder- und Jugendarbeit und der Hälfte der Vorstellungen bevor. Für Görlitz sieht man kein großes Einsparpotential!

 

Wieder bin ich befangen. Ich liebe Zittau und sein Theater. Gestern Abend erst war ich bezaubert von der Inszenierung der Weihnachtsgeschichte nach Charles Dickens. Unlängst hat mir Steinbecks „Von Menschen und Mäusen“ den Atem genommen. Damit gehöre ich zu den vielen Menschen, die ihr Theater in Zittau von ganzem Herzen lieben.

 

Was hat das jetzt mit der Zukunft der Oberlausitz zu tun? Ich glaube, wer hier lebt, hat andere Gründe als die Arbeit. Hier lebt, wer etwas liebt: die Familie, die Landschaft, die Menschen, die Gegend, die Kultur. Lukrativere Jobs findet man woanders. Wer hier lebt, will hier leben. Das sollte mit allen Kräften unterstützt werden. Ein Theater – vor allem ein so beliebtes – ist wichtig. Für viele ist es das Herz von Zittau.

 

Natürlich kann man sich der düsteren Prognosen ergeben, kann sich sagen: wozu Kultur, es geht doch sowieso alles den Bach runter. Die Wälder wachsen, die Wölfe heulen – wozu das Theater?

 

Weil wir gern hier leben, unsere Kultur lieben, brauchen und unterstützen. Wollen wir die Oberlausitz zur Wildnis erklären oder wollen wir ein hoffnungsvolles Bild malen?

mehr zu Aktionen für das Theater in Zittau:

www.die-retter.com

 

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