
Seit dreißig Jahren findet am Pfingstmontag der Deutsche Mühlentag statt. Die Mühlen sind für Besucher geöffnet und zeigen das traditionelle Müllerhandwerk. Ins Leben gerufen wurde der Mühlentag durch die Deutsche Gesellschaft für Mühlenkunde und Mühlenerhaltung.
Mir gefällt, dass dieser Mühlentag am Pfingstmontag stattfindet. Wir feiern am Sonntag den Heiligen Geist und besuchen am nächsten Tag eine Windmühle. Eine Kraft, die nicht zu sehen und doch spürbar ist, treibt eine Windmühle an. Das ist ein schönes Bild für den Heiligen Geist. Auch dieser ist nicht sichtbar und dennoch kraftvoll. Pfingsten ist ein guter Anlass, um über den Heiligen Geist nachzudenken. Wir spüren instinktiv, welcher Geist in einer Situation wirkt. Ist es ein guter Geist? Oder ein Geist der Spaltung? Wir reden vom Zeitgeist und manchmal geht uns etwas auf den Geist.
Jesus versprach den Jüngerinnen und Jüngern, ihnen seinen Geist zu senden. Nach seinem Tod gab es unter ihnen viel Verzagtheit. Das änderte sich an Pfingsten. Plötzlich war da ein kraftvoller Geist. Schluss mit den verschlossenen Türen. Schluss mit der Ängstlichkeit. Begeistert gingen die Jünger hinaus. Sie benahmen sich so, dass die Menschen in Jerusalem dachten, sie wären betrunken. Petrus spricht in seiner Pfingstpredigt: „Dies sollt ihr wissen, achtet auf meine Worte! Diese Männer sind nicht betrunken, wie ihr meint; es ist ja erst die dritte Stunde am Tag; sondern jetzt geschieht, was durch den Propheten Joël gesagt worden ist: In den letzten Tagen wird es geschehen, / so spricht Gott: / Ich werde von meinem Geist ausgießen / über alles Fleisch. / Eure Söhne und eure Töchter werden prophetisch reden, / eure jungen Männer werden Visionen haben / und eure Alten werden Träume haben. Auch über meine Knechte und Mägde / werde ich von meinem Geist ausgießen / in jenen Tagen und sie werden prophetisch reden.“ (Apg. 2,14-18)
Petrus zitiert hier den Propheten Joël. Denn mit Gottes Geist hatten die Menschen auch zur Zeit des Alten Testamentes ihre Erfahrungen gemacht. Der Geist wirkt in allen: in Söhnen und Töchtern, Jungen und Alten, Knechten und Mägden. Nicht nur in der Geistlichkeit. Es ist ein Geist, der aus der Enge und Angst in die Weite und ins Vertrauen führt. Er wirkt in allen, die sich ihm öffnen. Das ist wie bei einer Bockwindmühle: sie kann sich dem Wind entgegen drehen, um den optimalen Wirkungsgrad zu erreichen. Menschen sind dazu fähig, sich Gottes Geist zu zuwenden.
Das Pfingst-Geschehen ist Geschichte. Dieser Geist jedoch wirkte nicht nur damals – er will uns heute, hier und jetzt bewegen.
Diesen Text habe ich im letzten Jahr geschrieben, für unser Pfarrblatt. Solche Texte entstehen, werden veröffentlicht und verschwinden dann wieder. Oder sie schaffen es in den Blog.


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Markus (Mittwoch, 03 Juni 2026 10:48)
Ein schöner, ruhiger Text. Das Bild der Windmühle passt wunderbar – unsichtbare Kraft, die doch bewegt. Das macht Mut, sich wieder neu auszurichten.
Lucia (Freitag, 05 Juni 2026 09:14)
Vielen Dank für deinen Kommentar, Markus.